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Archive für März 2008

Zeitverschiebung!

Rätselte ich jüngst noch darüber, ob die Zeit aus dem Tritt ist, weiß ich es nun mit Gewissheit: Die Sommerzeit hat uns erreicht, die Uhren sind eine Stunde vorgestellt. Sich darüber in seinem Blog übermäßig Gedanken zu machen ist aber nicht nur einfallslos, sondern ebenso überflüssig wie die Zeitumstellung an sich. Also lasse ich es.

Zeitverschiebung?

Ein Höchstmaß an Irritation: Ich gehe in der letzten Nacht nach Hause. Die Nacht ist nicht unangenehm, kühl, aber trocken, wie es zu dem sonnig-frischen Frühlingstag passt, der ihr vorausging. Der sich langsam verabschiedende Vollmond will mir den Heimweg leuchten, allerdings hat sich die Straßenbeleuchtung dazwischengedrängt.

Heute Morgen werde ich wach - und es liegt Schnee. Schnee! Wie lange habe ich denn geschlafen?!

Ich hoffe, dass ich nicht die grüne Weihnacht verschlafen habe …

Eierlegende Hasen?

Frohe Ostern!

Ja, warum eigentlich Ostern? Es gab für mich schon früh ein paar Sachen, die mich an Ostern gestört haben (und mich schließlich auf den Weg des Zweifels führen mussten). Oder bin ich der einzige, der es schon als Kind seltsam fand, dass jeder wusste, wann Jesus geboren wurde, aber eigentlich keiner, wann er gekreuzigt wurde (obwohl da doch bedeutend mehr Leute dabei gewesen sind), so dass zwar Heilig Abend jedes Jahr am 24. Dezember stattfindet, Karfreitag und Ostern aber munter hin- und hergeschoben werden? Und dann die Sache mit dem Osterhasen! Ein dicker, bärtiger Typ in rotem Mantel als Weihnachtsmann ließ sich ja noch akzeptieren (auch wenn die Ähnlichkeit mit einem römischen Legionär doch eher … gering ist), aber woher kam der Hase? Und seine Eier? Hatte Jesus ein Haustier, von dem ich nichts wusste?

Einer glaubt es immerHeute weiß ich natürlich, dass das, was heute Brauchtum ist, nicht unmittelbar mit dem Ereignis zusammenhängen muss, was sich vor zwei Jahrtausenden ereignet haben soll. (Zudem: Dass Jesus nach Jerusalem ging, wo er gekreuzigt wurde, lag am Pessach-Fest, und dessen Datum wandert auch.) Und auch der dicke Bartträger ist nur ein Werbegag. Aber so ein wenig Mythenforschung kann schon mal Spaß machen.

Auch mein Lieblingsmärchenonkel Neil Gaiman lässt in seinem Roman American Gods - der sich grob umrissen mit den Glaubwürdigkeitsproblemen von durch Einwanderer nach Amerika imporierten Göttern beschäftigt - am Rande Easter auftauchen, über die es heißt:

trickst sich an wechselnden Orten, z.B. New Orleans oder San Fransisco, durch Leben. Tut gern so, als würde das Osterfest gefeiert, um Astarte (oder Eostre oder Ostara), die Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit, zu ehren.

Tatsächlich hat das Osterfest - alle Auferstehungsgedanken mal beiseite geschoben - ja viel von einem Frühlingsfest. Das Datum Osterns orientiert sich dann auch ‘ganz heidnisch’ am Mondkalendar: der erste Vollmond nach Frühlingsanfang markiert den Termin, der nachfolgende Sonntag ist der Ostersonntag. Haben die Christen also (wieder einmal) einen Festtag anderer Götter okkupiert, um ihren Glauben attraktiver zu machen? (”Echt? Jetzt feiert ihr den Frühling? Wie passend, da ist auch unser Herr auferstanden!”) Bleibt aber noch die Frage nach dem Hasen.

Die Existenz einer germanischen Fruchtbarkeits- und Frühlingsgöttin Ostara (Göttin der Morgenröte) lässt sich nicht beweisen. (Obwohl das mit dem Beweisen göttlicher Existenzen ohnehin so eine Sache ist …) Jacob Grimm erwähnt sie und bezieht sich dabei auf einen englischen Kirchenvater aus dem 8. Jahrhundert - das sind dann aber auch schon alle Quellen. Dass ihr Frühlingsfest mit dem Osterfest zusammenfällt, lässt sich ebenso wenig nachweisen. Aber auch nicht wiederlegen.

Anders sieht es dann schon mit Astarte aus, Vegetationsgöttin und Schwester / Mutter / Geliebte des Adonis. Sie ist die personifizierte, fruchtbare Erde und das Urbild der Entstehung des Leben. Ihr Name sowie ihre Funktion legen eine Verbindung zum Osterfest nahe. Mitunter stellt man sich auch der römischen Aphrodite gleich, deren symbolisches Tier unter anderen der Hase ist. Aha!
Allerdings lässt die Bibel kein gutes Haar an Astarte. Zwar wurde sie zwischendurch mal von König Salomo verehrt (“Salomo lief Astarte, der Gottheit der Sidonier, und Milkom, dem Scheusal der Ammoniter, nach”; 1. Könige 11,5), aber bekanntlich mag Gott keine Konkurrenz (siehe erstes Gebot). Das geht so weit, dass aus Astarte der Dämon Astaroth wird, Großherzog und Oberster Schatzmeister der Hölle, vor seinem Fall der Engel der Zeit, der Gottes Pläne kannte. Aber hier schweife ich ab.

Die Ostereier als Symbol der Fruchtbarkeit und des Lebens lassen sich leichter erklären als der Ursprung des Hasen als Überbringer eben dieser. Aber wenn ich nach draußen schaue - nach zwei Tagen bitterer Kälte, kurzer Hagelschauer und deutlicher Schneefälle scheint heute, am Ostersonntag die Sönne -, dann möchte ich nicht ganz ausschließen, dass vergessene Frühlingsgöttinnen doch irgendwie ihre Finger im Spiel haben …

Probenstart

Gestern haben die Proben zu Messer in Hennen mit einem gemeinsamen Frühstück begonnen. Und auch heute wurde sich dem Stück genähert und dem Pferd eine Richtung gegeben, in der es galloppieren soll. Die nächste Woche steht der jährliche Tarifurlaub vor Ostern an (man hat ja sonst wenig Freunden und keine Sicherheiten in diesem Beruf), aber in den zwei Tagen haben wir genug Gedanken verfertigt, die uns in den nächsten Tagen beschäftigen werden.

Auch wenn wir erst am Anfang stehen, gibt es bereits erste Termine, die dem geneigten Zuschauer an anderer Stelle nahegebracht werden.

Wie ich versprochen habe, möchte ich die Proben ein wenig auf diesem Blog begleiten. Nicht mit Probeninterna, denn die gehen hier niemanden etwas an und können weniger spannend sein, als man es sich gemeinhin vorstellt, aber mit Begleittexten, die uns ebenfalls beschäftigen. (Wer möchte, kann dieses also auch als erweitertes Programmheft verstehen.)

Anfangen möchte ich mit einem Auszug aus der Erzählung Der Eremit von Manfred Miethe:

Und was wird aus der Menscheit? Ich weiß es nicht, und es interessiert mich auch nicht sonderlich. Ich habe ihre Kleinigkeit, ihre Dummheit und Ignoranz satt. […] Ich gehöre nicht mehr zu ihnen. […] Nur einen Menschen vermisse ich. Nur nach einer sehne ich mich noch immer. Sie kam zu mir als Frau und war doch eine Göttin. Sie war bedingungslose Hingabe, sie war Fleisch gewordene Liebe. Wenn sie sich mir schenkte, verlor ich mich in ihre Hingabe. Wenn sie mich in sich aufnahm, wurde ich eins mit der Schöpfung. Wenn ich zu ihr kam, war ich nicht länger ein Mann; ich war ein Gott, der seiner Göttin beiwohnte. Sie nahm mich mit in ihre Extase und zeigte mir Welten, an die ich nicht mehr geglaubt hatte.

Diese Worte lasse ich unkommentiert stehen und verabschiede mich an dieser Stelle.

Ein kleines Märchen über die Liebe

In einem Land, das lange vergangen ist und fern von unserer Welt lag, lebte eine Prinzessin, deren Anmut und Wesen die Saiten der Liebe in den Herzen der Männer zum Klingen brachte. Viele warben um sie und ihr Vater, ein gütiger König, war sehr stolz auf sie.

Unter denen, die ihr Herz an sie verloren, war auch ein Zauberer, der sich stärker als alle anderen nach ihr verzehrte. Doch sie wies seine Liebe zurück. Jedes Lachen von ihr war ihm fortan ein Stich in das Herz und bei jedem Gedanken an sie verkrampften sich seine Eingeweide zu einem schmerzenden Klumpen. So sehr sehnte er sich nach einem Kuss ihrer Lippen, doch auch diese flüchtige Gunst wollte sie ihm nicht gewähren. Da sprach er einen schrecklichen Fluch über sie: “Soll ich dir nicht gehören, soll es keiner. Mit diesen Worten banne ich dein Leben in Stein und einzig meine Tränen sollen dich erlösen. Doch hoffe nicht, denn um dich habe ich bereits alle Tränen vergossen!” Und kaum hatte er seine grausamen Worte gesprochen, erstarrte die Maid im Garten ihres Vaters. Ihr letzter Laut erstarb in einem Knirschen, wie es zwei Steine machen, die man gegeneinander reibt.

Bald brachen viele mutige Männer auf, um die Prinzessin zu erlösen. Viele von ihnen starben auf dem Weg oder es verließ sie unterwegs der Mut, denn der Zauberer hatte sich in den finstersten Winkel der Welt zurückgezogen. Viele namenlose Gefahren lauerten auf den Helden, der die Herausforderung wagte. Und selbst die wenigen, die ihr Ziel erreichten, mussten mit leeren Händen zurückkehren, denn das Seelenlicht der Zauberers war ein kalter Diamant geworden. Kein Tropfen verließ die verbitterten Augen.

So ging die Zeit ins Land. Der König starb voller Gram und seinen letzter Wunsch, die geliebte Tochter noch einmal lachen zu hören, nahm er mit auf die Reise in das schweigende Nichts des Todes. Schließlich brach niemand mehr auf, die Frau aus Stein zu befreien, und ihre Geschichte geriet fast in Vergessenheit.

Einhundertdreiundzwanzig Jahre später kam ein junger Mann in den Garten des Schlosses, das längst ein anderer Herr bewohnte. Er erblickte die Statue und verliebte sich gleich in die unbekannte Schönheit, die ein Meister seines Handwerks aus dem kalten Stein geboren haben musste. Er verbrachte Tage und Nächte im Garten und verlor sich vollständig in dem Anblick. In seinen Träumen entstieg die Schöne ihrem erzenen Gefängnis und lebte an seiner Seite. Er gab ihr einen Namen und eine Geschichte, kannte jedes Detail ihres starren Gesichtes und manches Mal im Schlaf fühlte er ihre schmale Hand in der seinen. Dann wachte er auf und war sich sicher, sie wäre am Leben und an seiner Seite, bis er begriff, dass er nur geträumt hatte. Sein Herz war gleichermaßen schwer wie leicht. In seinem Unglück, sie nie lebendig zu wissen, war er dennoch glücklich.

An einem dieser Tage, als er versonnen die Statue betrachtete, gesellte sich ein altes Männlein zu ihm. Das Alter hatte es gebeugt und tiefe Furchen in sein Gesicht gezogen, doch die Augen waren jung geblieben. “Kennst du die Geschichte der Prinzessin aus Stein, junger Freund?” fragte das Männlein den Mann

Dieser war überrascht und wollte die Geschichte erst nicht hören, hatte er sich doch seine eigene ausgemalt. Dann jedoch siegte seine Neugier und er forderte den Alten auf, sie zu erzählen. Denn der alte Mann, er war ein Gärtner des Schlosses, kannte noch die Wahrheit über die Prinzessin und berichtete von ihr. Lange bevor er geendet hatte, stand für den jungen Mann fest, dass er sich auf den Weg machen würde, die Tränen des Zauberers zu gewinnen.

Und so kam es auch. Er ließ das Schloss hinter sich, um den Rand der Welt zu erreichen. Vieles ließe sich über seine Abenteuer berichten, lehrhafte Beispiele über List und Mut. Etwa, wie er den grünen Wyrm von Anderun bezwang. Oder wie er den wahnsinnigen Vogelschwestern auf der Höhe des Kreischenden Gipfels entkam. Auch seine Reise durch den Wald der Vergessenen Schatten und die Sternengoldfelder wäre eine Erzählung wert. Doch sind dies andere Erzählungen.

Schließlich erreichte er den finstersten Winkel der Welt, der so düster war, wie nur ein verschmähtes Herz es sein kann. Hier hockte der Zauberer auf einem Thron aus Spiegelscherben und stierte in die Finsternis, die ihn umgab. In ihm brannte kein heißes, verzehrendes Feuer, so dass er unnatürlich lange am Leben geblieben war. Erst hielt er seinen Gast für einen Trug, so lange war niemand mehr bei ihm gewesen. Der junge Mann erklärte sein Ziel, die Tränen des Zauberers zu gewinnen.

Dieser antwortete ihm mit einem heiseren Lachen. “Niemand hat es vermocht, so wird es auch dir nicht gelingen. Es wäre vergeudete Zeit, deinen Bemühungen zuzusehen, doch ich will dir deine Gelegenheit geben. Die Abwechslung ist mir willkommen.”

Da nickte der Mann und zu der Überraschung des Zauberers setzte er sich zu dessen Füßen. Ohne viele Worte zu verlieren, begann er zu erzählen. Er öffnete sein Herz, und der Zauberer erblickte darin die leuchtende Liebe zu der steinernen Prinzessin. Der junge Held erzählte von seinen Träumen und wie er die verfluchte Schönheit sah. Das, was er für sie empfand und sich nie erfüllen würde, da sie auf ewig für ihn unerreichbar blieb.

Als er geendet hatte, liefen dem Zauberer die Tränen in Strömen über die rissigen Wangen. Der junge Mann stand auf, fühlte eine Glasphiole mit dem salzigen Gut und machte sich auf den Heimweg. “Habt Dank”, waren seine letzten Worte, dann ließ er den schluchzenden Zauberer in der Dunkelheit zurück.

Wieder war er auf Wochen unterwegs, ehe er das Schloss erreichte, in dessen Garten die Statue stand. Er stellte sich vor sie hin, bereit, den Stein mit den Tränen des Zauberers zu benetzen – und zögerte. Lange verharrte er so, dann ließ er sich in das Gras nieder. Unablässig betrachtete er die Prinzessin aus Stein und drehte dabei die Glasphiole zwischen den Fingern.

Nach drei Tagen und drei Nächten stand er auf, öffnete das Fläschchen und goss die Tränen in ein nahes Blumenbett. Dann atmete er auf und lächelte zufrieden.

Der alte Gärtner, der dies beobachtet hatte, kam heran und fragte verwirrt, warum der Mann dies getan hatte, anstatt die Prinzessin zu erlösen.

Der junge Mann drehte sich zu ihm um. “Es gibt keine reinere Liebe als die unerreichte”, erklärte er lächelnd und ging auf immer von dannen.

(Ein kleines Märchen über die Liebe, (c) 2008 Michael Masberg)

Herr Masberg zum Anschauen und Anfassen

Am Donnerstag wird der Startschuss zu Messer in Hennen fallen, danach schließt sich aber direkt eine Woche Urlaub an. Und da weiß ich auch schon, wie ich den einleite: Im roten Hemd ein paar Leute bespaßen.

King ConAn diesem Wochenende findet vom 14. bis zum 16. März in Duisburg zum zweiten Mal die King Con statt, eine Convention rund um Rollenspiele, Kartenspiele und Brettspiele. In meiner Funktion als Alveraniar (=Promoter für das Fantasy-Rollenspiel Das Schwarze Auge) werde ich ebenfalls dort sein, allerdings nur am Sonntag, den 16. März, da ich die Tage vorher nicht nur probe, sondern auch Vorstellungen zu betreuen habe. Ab wahrscheinlich 10 Uhr werde ich eine Spielrunde leiten, zu der sich interessierte Spieler im direkten Vorfeld einmelden können.

Ich werde das Abenteuer In signe serpentem leiten, dass ich zusammen mit Uli Lindner für den kommenden Aventurischen Boten #129 geschrieben habe. Dieses spielt in der Wildermark und gibt einen kleinen Vorgeschmack auf den Abenteuerband Von eigenen Gnaden von Uli Lindner, der Mitte des Jahres erscheinen wird.

I want to thank …

An dieser Stelle möchte ich mich bei Christian Quitschke bedanken, der gewissenhaft meine Einträge in diesem Blog nach unnötigen Flüchtigkeits- und Tippfehlern durchsucht, die sich einschleichen, wenn man seine Texte morgens im Halbschlaf beim Frühstück schreibt oder ohne Gegenlesen veröffentlicht. Und damit Christian nicht langweilig wird, bleibe ich bei meiner Praxis.

Trash, aber großartig

Ash vs. SpideyWenn man wirklich viel um die Ohren hat und im Kopf ein Gedankensturm tobt, der es unmöglich macht, sich auf eine der vielen anstehenden Sachen zu konzentrieren, muss man zwischendurch einfach mal abschalten - eine alte Weisheit, die ich gestern in die Tat umgesetzt habe. Ein bisschen plauschen mit netten Menschen, ein kleiner Spaziergang durch den Kaisergarten und den Abend mit garantiert nicht anspruchsvoller Lektüre ausklingen lassen. Und womit kann man besser die Gedanken abschalten, als mit Geschichten über hirnfressende Zombies?

Wie alle wissen, die mich näher kennen, bin ich ein großer Freund der bunten Bildchen. Comics sammle ich, seitdem ich lesen kann - und wo Frauen Schuhe kaufen, gebe ich ohne schlechtes Gewissen Unmengen Geld für Comics aus und fühle mich danach besser. Gestern habe ich ein besonderes Schmuckstück erworben: Marvel Zombies vs. The Army of Darkness (wie ich erwähnte: garantiert nicht anspruchsvoll …). Ein großartiges Comicbuch, über das ich jetzt ein paar Worte verlieren will.

Die Marvel Zombies sind eine Erfindung des Autors Mark Millar für seine Serie Ultimate Fantastic Four. Für drei Ausgaben landen die Serienhelden in einer Parallelwelt, in der alle bekannten Marvel-Helden zu Zombies mutiert sind. Robert Kirkman, der sich schon einen Namen mit einer anderen modernden Serie machte, nahm die Idee auf und schrieb mit überraschendem Erfolg die makabre Mini-Serie Marvel Zombies, in der die faulenden Helden im Mittelpunkt stehen. Die Hintergrundidee ist, dass ein außerirdischer Virus Superhelden wie -schurken in menschenfressende Bestien verwandelt hat, die Dank ihrer Superkräfte bald die Welt dominieren. Wir treffen einen Spider-Man mit Gewissensbissen, weil er seine Tante gegessen hat, einen Hulk, der Probleme bekommt, wenn er sich zurückverwandelt, weil als Mensch sein Magen viel kleiner ist und dergleichen mehr. Die Serie wimmelt von kranken Ideen, ist dabei aber höchst unterhaltsam.Wolverine

Ein besonderer Leckerbissen (im wahrsten Sinne des Wortes) sind die Cover der Serie. Coverkünstler Arthur Suydam nimmt klassische Cover wichtiger, man möchte sagen: historischer Comichefte und gestaltet sie in eine faulende Neuinterpretation um. (In die Cover des Crossovers mit Army of Darkness hat sich zudem in jedes Titelbild auch der Kettensägen schwingende Ash eingeschlichen.)

Wie immer, wenn sich etwas gut verkauft, wird es ausgeschlachtet. Es folgten weitere Auftritte der Marvel Zombies sowie der One Shot Marvel Zombies: Massacre, der erzählt, wie aus den bekannten Marvel-Helden untote Bestien werden.

Und nun Marvel Zombies vs. The Army of Darkness, das diese Woche auf deutsch im Sammelband erschienen ist. Das klingt nicht nur wie ein Film aus der Spätvorstellung, sondern ist ebenso unterhaltsam. In dem Crossover betritt nämlich eine Kultfigur des B-Movies die mit angenagten Leichen überhäufte Bühne: Ash, die coolste Ladenhilfe aller Zeiten. Ash ist die Hauptfigur aus Sam Raimis Kultfilmen Tanz der Teufel (Evil Dead) und Armee der Finsternis (Army of Darkness), der mit Kettensäge und doppelläufiger Schrotflinte gegen die Untoten des Necronomicons kämpft.

Nun landet er - durch Raum und Zeit reisend - in der Welt der Marvel-Zombies, gerade in dem Moment, als die schreckliche Seuche ausbricht. Mit skurrilem Witz und makabren Humor feiert Autor John Layman einen Leichenschmaus, der nach einer rasanten Verfilmung geradezu schreit. Und wie es sich gehört, wenn Ash dabei ist, nimmt der Comic sich selbst nicht so ernst - spätestens wenn neben den Zombieversionen von Spider-Man, Hulk und Wolverine ein untoter Howard the Duck auftaucht, weiß man, womit man es zu tun hat.

So viel also zu dem Thema “seichte Unterhaltung”. Wer ein Herz für Monster aus der Spätvorstellung hat und sich für gute schlechte Filme erwärmen kann, der findet mit diesem Comicbuch eine grandiose Umsetzung der geliebten Themen. Alle anderen dürfen hoffen, dass ich bald auch wieder Gehaltvolleres in meinen Blog schreibe.

Schneeweiße Nächte

Spätestens seit Neil Gaimans außergewöhnlicher Sandman-Reihe weiß man, dass Comics mehr als bunte Bildchen für Heranwachsende oder Kind Gebliebene sind, sondern den Vergleich mit ‘echter’ Literatur nicht scheuen müssen. Auch die vielen Comicverfilmungen der letzten Jahre, die auf den ersten Blick keine zu sein scheinen - etwa From Hell, A History of Violence oder Road to Perdition, um mal ein paar prominente Beispiele zu nennen - geben uns einen weiteren Hinweis darauf.

Schneeweiße NächteEines der besten Werke der letzten Jahre, das auch keinen Vergleich mit Sandman scheuen muss, ist die von Bill Willingham erfundene und geschriebene Reihe Fables. Wie bei vielen großen Erzählungen ist die Grundidee recht simpel: Vor Jahrhunderten mussten die Märchengestalten aus ihrer Welt fliehen, die von einem bösen Feind mit Krieg überzogen wurde. Sie flohen in unsere Welt und gründeten Fabletown, das heute mitten in New York liegt, wo die Märchengestalten unter den Menschen leben. Hier treffen wir Snow White, Prinz Charming, Rose Red und Bigby Wolf (von Big Bad Wolf) wieder. Die nichtmenschlichen Fables wie die drei Schweine leben verborgen auf der Farm der Tiere weit außerhalb der Stadt.

In Deutschland erscheint die Serie bei Panini in Form von Sammelbänden. Bisher sind 5 Bände der fortlaufenden Reihe erschienen, jüngst erschien auch der Sonderband 1001 schneeweiße Nächte, mit dem ich es mir gestern Abend auf der Couch gemütlich gemacht habe. Dieser Sonderband ist gleichzeitig ein guter Einstieg für neue Leser, für andere vertieft er die Welt der Fables.

Lange vor den Ereignissen der regulären Serie reist Snow White als Gesandte von Fabletown nach Arabien, wird dort aber von dem Sultan gefangen gehalten, der sie am nächsten Tag - wie alle seine Frauen - enthaupten lassen will. Um ihren Kopf zu retten, erzählt Snow White ihm jede Nacht eine andere Geschichte aus der Welt der Fables. Wir erfahren, was aus den sieben Zwergen geworden ist, das traurige Schicksal des Froschkönigs und wie aus dem schwächsten Welpen eines Wurfes der große böse Wolf wird. Wie bei Fables üblich, greift Willingham viele bekannte Motive aus den Märchen auf, führt sie in seiner Welt weiter oder erklärt uns den ‘Kern’ der Geschichte.

Neben der Rahmenhandlung um Snow White und den Sultan erzählt uns Willingam in dem Band neun Märchen aus der Welt der Fables, jedes von einem anderen Künstler gestaltet. Die Stile der Zeichner sind sehr unterschiedlich, passen aber gut zu der jeweils erzählten Geschichte.

Wer sich wie der Sultan für ein paar Stunden von den gewitzten, lustigen, aber auch bitteren und blutigen Geschichten verzaubern lassen möchte, ist mit 1001 schneeweiße Nächte sehr gut beraten - zumal der Band ein wenig die Zeit überbrückt, bis im Juni Band 6 der regulären Reihe erscheint.

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