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Kultur ist nicht für alle da

—»Das sieht hier aber mal charmant aus. Besser als bei dir Zuhause.«
—»Das ist Kultur.«
—»Leckofanni. Hat ja auch Geld gekostet.«

Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob dieser kurze Dialog am Pissoir neben mir sich auf die Kulisse von Zollverein oder den schmucken Klocontainer bezog. Was aber auch immer das “Volksfest auf Zollverein” zur Eröffnung der Kulturhauptstadt 2010 vermitteln wollte, eine Botschaft ist ganz eindeutig: Kultur ist nicht für alle da.

Freie Kulturschaffende im Ruhrgebiet wissen es schon lange. Für sie ist kein Platz im großen Ruhrmarketing. Kein Geld, keine Unterstützung, das alles braucht man schließlich für die Leute, die man ins Ruhrgebiet holen will. Nicht sich als kultureller Poot präsentieren, sondern den Leuten etwas präsentieren, scheint das Motto der Kulturhauptstadt zu sein. Doch es bleibt die Frage, wem man eigentlich etwas präsentieren möchte.

Es war mir gegönnt, am Freitag (als es bedeutend bitter kälter war als an dem mit Schreckensszenarien versehenen Samstag) der Generalprobe zu der am Samstag live ins ZDF übertragenen Eröffnungsrevue beizuwohnen. Hier durfte sich die Folkwangschule in vielen ihrer Facetten präsentieren und dies gelang ihr mit eindrucksvollen Bildern und charmanten wie nostalgischen Bezügen zur Region. Da bleibt der Grönemeyer-Song vollkommen unerheblich. (Ohnehin, wer braucht diese Hymne eigentlich?)

Am Samstag machten wir uns nach einigem Zögern am Abend schließlich noch auf den Weg zu Zollverein. Der Schnee verzauberte die eindrucksvolle Kulisse, den Verantwortlichen war es gelungen, mit Feuerzauber und Lichtwerk das Publikum ins Staunen zu versetzen. Und die Tausende von Besuchern taten ihr Übriges als Beiwerk. Denn das waren sie vorwiegend: schmuckes Beiwerk.

Zollverein gab sich eher wie der Weihnachtsmarkt im Centro, allerdings ohne Kitsch- und Ramschbuden. Die kulturellen Veranstaltungen waren entweder fragwürdig, in viel zu kleinen Hallen untergebracht – oder nicht zugänglich. Vor jedem zweiten Eingang standen breitschultrige Sicherheitsleute und wiesen den kulturell interessierten Besucher ab. Kein Presseausweis, keine Einladung – kein Zutritt. Den durchtrainierten Wegsperren nehme ich dies nicht einmal übel, wohl aber den planenden(?) Verantwortlichen. “Kommen Sie morgen wieder” ist nicht unbedingt die Weisung, die ich hören möchte, wenn ich mich Schnee und Kälte aussetze, um mich als Teil der Kulturhauptstadt identifizieren zu wollen.

Alles, was interessant aussah, war den Privilegierten vorbehalten, die sich sicherlich gefreut haben, diesem bedeutenden Ereignis beizuwohnen (vielleicht war auch das Präsentierte äußerst gelungen, man mag mir davon berichten) und sich über den regen Zuspruch der Massen freuten, die draußen schneestapfend die schiebende Kulisse bildeten.

Wirklich leid taten mir die unzähligen Künstler und Schauspieler, die draußen im Schnee auf den unzähligen kleinen Bühnen performten, während in den Hallen drinnen Bauzäune mit Plakaten voller Selbstlob der Verantwortlichen standen. Hätten informative Bauzäune draußen nicht weniger gefroren? Hätte man Drinnen nicht einen Kleinkunstlustgarten schaffen können? Einerlei: Die frierenden Künstler erinnerten an das Fahrende Volk, das sich auf dem Jahrmarkt um Vasallen und Pöbel bemüht, während sich im Inneren der Burg der Adel am privilegierten Spiel ergötzt.

Absperrung und Abweisung – ich weiß nicht, ob das jene Botschaft ist, mit der sich Ruhr.2010 schmücken sollte. Überrascht bin ich indes überhaupt nicht, vielmehr vollzieht sich, was sich im Vorfeld abzeichnete.

Am Ende mehrerer Stunden auf den Zollvereingelände setzte sich ein Unmut in uns fest, einfach gehen zu wollen. Da muss es doch noch etwas geben! Das kann nicht alles gewesen sein! Was haben wir übersehen? Nicht zu übersehen war am Ende das fast halbstündige Feuerwerk. Das war wirklich schön und beeindruckend, mit überraschenden Feuerwerkskörpern, die ich so noch nicht gesehen hatte. Da wurde sicherlich ganz schön viel Geld investiert und in den Nachthimmel geschossen.

Mit diesem Geld, scherzten wir, hätte man auch das Wuppertaler Schauspiel retten können.

Punkt 2010

So vieles ändert sich ja eigentlich nicht, nur weil man an einem Tag wie diesen nicht das Kalendarblatt abreißt, sondern gleich den gesamten Kalendar auswechselt. Dennoch gibt es mir ein gutes Gefühl, zu wissen, dass 2009, dieses Jahr mannigfaltiger Unerfreulichkeiten, endlich sein Ende gefunden. Und dann scheint es auch noch – dadurch alleine werde ich Winderkind schon glücklich.

So möchte ich mir einen Rückblick auf das verendete Jahr ersparen und blicke nach vorne. Das Kulturhauptstadtjahr bringt mich gleich umgehend zurück auf die Bühne. (Wobei ich mich schon frage, ob ich als Ruhri nun jedesmal vor die Jahreszahl einen Punkt setzen muss. Wir haben also das Jahr.2010.) Der sechste Februar.2010 ist zum Abend des freien Atems erklärt worden: Mit Iwan Wyrypajews Kultstück Sauerstoff überlasse ich das Schreiben für ein paar Wochen anderen und widme mich wieder dem Regiehandwerk.

Vor ein paar Jahren, als die b.a.r des Theater Oberhausens noch Rauchbar hieß und dem Rauchen in öffentlichen Räumen noch ganz andere Möglichkeiten gesetzt waren, verantworteteich eine szenische Lesung des Stück. Jetzt ist es an der Zeit, die alten Fragen neu zu stellen: Wie lebt unsere globalisierte Generation? Was treibt uns an, wo wir nun scheinbar alle Möglichkeiten haben? Sind die alten Werte noch gültig – und wenn nicht, was tritt an ihre Stelle? Und überhaupt: Was ist für dich Sauerstoff?

Die Sauerstoffzelte werden .2010 im Malersaal des Theater Oberhausens aufgebaut. Zu sehen sind Angela Falkenhan (Theaterpreisträgerin) und Caspar Kaeser (Theaterpreisträger und Wiederholungstäter in der masberg`schen Kooperation) sowie als Gast (”introducing and proudly presented”) Gabriela Ryffel, die ich bei meinem kurzen Ausflug in die Welt des Musiktheaters kennenlernen durfte und für dieses Projekt gewinnen konnte. Obwohl es als quasi natürliche Gegebenheit anzunehmen ist: Die Bühne gestaltet meine liebe Mitverschwörerin Stefanie Dellmann.

Auf die Ohren und in die Lungen gibt es den Soundtrack für freies Atmen, unter anderen die Musik von Muse, Brand New, Portishead, Massive Attack und Radiohead.

Genug an dieser Stelle, mehr mit Sicherheit später. Schließlich haben das Jahr, der Monat und für mich auch der Tag gerade erst begonnen.

Ich wünsche allen lieben Menschen dort draußen ein tolles Jahr.2010!

Bestandsaufnahme, fern von Zuhause

Nun genieße ich schon den dritten Tag in absoluter Freiheit - Samstag endete ganz offiziell mein Vertrag mit dem Theater Oberhausen, jetzt gelte ich als ‘freischaffend’, ‘selbständig’ und was dergleichen mehr im künstlerischen Bereich als Synonym für ‘knapp bei Kasse’ verwendet wird. In den letzten Wochen habe ich schon einen Vorgeschmack darauf bekommen, was es heißt, für sich selbst und seine Kunst verantwortlich zu sein - denn von einem wirklichen Urlaub will ich nicht sprechen. Den gönne ich mir erst jetzt, mit Besuchen bei ganz lieben Menschen in Verden, Hamburg und nun Berlin. In den Wochen davor - und deswegen ist es auch hier so ruhig gewesen - habe ich erst einmal versucht, ‘runterzukommen’, wie es so schön heißt. Was gar nicht so schwierig ist, wenn man nebenbei im bürokratischen Wulst der angehenden Selbständigkeit drinhängt. Ehrlich, hätte ich nicht schon gewusst, welche absurdes System der deutsche Verwaltungsapparat ist, spätestens jetzt wüsste ich es.

Mh, in meiner Biographie wären meine Abenteuer in dieser bizarren Welt sicherlich ein eigenes Kapitel wert …

Für alle Freunde des Rollenspiels und der seichten Literatur kann ich stolz berichten, dass mein erster Roman, Der Kreis der Sechs, abgegeben ist. Er war nicht nur schon im Lektorat, sondern wurde auch schon von mir überarbeitet, so dass er eigentlich noch diesen Monat in Druck gehen sollte; der September scheint mir damit als Veröffentlichungstermin sinnvoll. Um einen ersten Vorgeschmack zu geben, plane ich im Vorfeld auch eine kleine Lesung auf der RatCon Ende August.

Die DrachenchronikDarüberhinaus nähert sich auch mein Abenteuerbeitrag für die Drachenchronik seinem Ende. Alle, die aufgrund der vermeidbaren und ärgerlichen Fehler des ersten Bandes zurecht enttäuscht oder verärgert waren, möchte ich beruhigen - die Kritik wurde sehr genau gelesen und aufgenommen, da spreche ich nicht nur für mich. Wenn alles klappt, wie es sollte, werden diesen Monat die Texte für den dritten Band vollständig sein.

Auch der Kampagnenband Orkengold, den Daniel und ich betreuen, nähert sich seiner Vollendung und ich bin jetzt schon sehr stolz auf diese Arbeit - wir haben aber auch einfach ein phantastisches Ensemble guter Autoren zusammenbekommen. Apropos: Auf derRatCon wird kostenlos das Promo-Abenteuer Die Goldene Stadt verteilt werden, das im diesen Jahr beim Abenteuerwettbewerb Der Goldene Becher den zweiten Platz machte. Eine der Autoren ist Muna Bering, die auch fließig bei Orkengold mitschreibt.

Genug für diesen Moment, ich muss schließlich noch die Hauptstadt unsicher machen. Bald folgt mehr zum RatCon-Programm, zumindest, was ich da für Schandtaten plane.

In Oberhausen sehen lernen

Axel J. Scherer, der ablichtende Chronist meines Vertrauens, der sich auch für die Bilder auf meiner Homepage verantwortlich zeichnet, bietet am  14. Juni 2009 in der Zeit von 11.00 bis 15.00 Uhr eine photographische Wanderung durch Oberhausen an. Das Ganze findet statt im Rahmen der Kampagne SEHEN LERNEN der Landesinitiative StadtBauKultur NRW - wer sich also schon gefragt hat, warum seit Tagen diese bunten, großen Holzrahmen in der Stadt verteilt stehen, der darf hier nachschlagen.

Neben ein paar Tricks vom Profi kann man auch Einblicke in die Stadtgeschichte und den architektonischen Gegebenheiten (und Eigenheiten) Oberhausens gewinnen.

Kurz und knackig die relevanten Infos:

Treffpunkt: SEHSTATION, Friedensplatz
Motto: Entdecke deine Stadt!
Kosten: 15 Euro | max. 15 Teilnehmer
Bitte eigene Kamera mitbringen!
Anmeldung bis 12. Juni 2008 unter: design@agentur-scherer.de

Links:

Überfälliges erledigt

Endlich hatte ich die Zeit, meine Homepage inhaltlich zu aktualisieren. War schließlich auch kein Zustand mehr.

Warum ist es hier zu ruhig?

Dass kann doch nur bedeuten, dass Herr Masberg gerade in Arbeit versinkt. Yep, stimmt. Aber eine kleine Verschnaufpause möchte ich dafür nutzen, um kurz ein Lebenszeichen zu hinterlassen und mich in Erinnerung zu rufen. Sehr gerne würde ich alte Plaudertasche an dieser stelle auch mein Nähkästchen öffentlich ausstellen, aber noch halten andere ihren Finger auf den Deckel. Blöd. Aber das Warten mag sich lohnen. Denn bald kann ich über Wiederaufnahmen, Erstaufnahmen und Schreibwerk berichten. Wenn dann die fremden Finger vom Deckel lassen.

Neuigkeiten und Geheimnisse

Meine Homepage hat nicht nur eine neue Hauptgraphik mit einem Zitat meines Lieblingsmärchenonkels, es steht auch eine neue Inszenierung an. Ja, Herr Masberg wird wieder Theater machen. Doch welches Stück an welchem Tag wo seine Premiere erfährt, das möchte ich an dieser Stelle noch nicht öffentlich bekannt geben. Wahrscheinlich nur aus dem Grund, eine gewisse Spannung aufzubauen. Oder um Aufmerksamkeit zu erlangen. Das mag jeder für sich selbst beurteilen.

In den nächsten Tagen möchte ich aber das Geheimnis lüften und dem geneigten Leser alles Wissenswerte zukommen lassen. Wie bei Messer in Hennen möchte ich auch die neue Produktion wieder mit meinem Blog begleiten.

Messerückblick

Bevor ich heute in andere fiktive Welten zurückkehre, nämlich jenen des Theaters, möchte ich noch auf das Wochenende zurückblicken. Die Spielemesse in Essen ist überstanden und gestern fand ich endlich auch die Gelegenheit, ein wenig mehr zu bummeln. Natürlich habe ich mehr Geld ausgegeben, als ich eigentlich wollte, war jedoch im Vergleich zu den letzten Jahren sehr sparsam.

Ich beginne mit der kleinen Schwester der Spiel, der Comic Action. Diese scheint mir von Jahr zu Jahr kleiner zu werden und hat mich gestern kaum zum Verweilen eingeladen. Ich bin ein wenig durch die Stände gebummelt und habe dann tatsächlich nur einen(!) Comicband gekauft: Den Sammelband Fall 1152 der Miniserie Mouse Guard. In liebevollen Zeichnungen wird die Geschichte dreier Mäusewächter erzählt, die einen verschwundenen Händler suchen. Dieses Jahr wurde die Serie - zu der es auch die Fortsetzungen Winter 1152 und demnächst Black Axe: 1099-1116 gibt - in zwei Kategorien mit dem Eisner Award ausgezeichnet. Ich kannte die Serie vorher nicht und ich stieß eher zufällig auf das Buch - und hatte Glück, war es doch das letzte, das schon längst verkauft gewesen wäre, wäre es nicht unter einen anderen Stapel gerutscht.

Bleiben wir bei den Nagetieren, denn ich habe mir auch ein neues Rollenspiel zugelgt: Ratten! ist ein modernes, schnelles Rollenspiel, das von dem Projekt Kopfkino entwickelt. Ratten! wurde als kostenloses Internetprojekt entwickelt und wird mittlerweile von Prometheus Games herausgegeben. Dennoch ist Ratten! noch vollständig frei erhältlich (und zwar hier) und wird im Netz weiterentwickelt. Wer aber etwas für das Bücherregal haben möchte und solche Projekte gerne unterstützt, kann auch die gedruckte Fassung kaufen.
Bei Ratten! spielt man - Ratten. Die Spielwelt ist die Rattenburg, ein leer stehendes Kaufhaus, das von den Erbauern verlassen wurde. Was aus den Menschen, die in der Mythologie der Ratten fortleben, geworden ist, ist nicht festgelegt und der Phantasie des Spielleiters (hier “Rattenmeister” genannt) überlassen: Sind die Menschen ausgestorben, hat eine Epidemie sie in Zombies verwandelt oder haben sie bloß das Kaufhaus aufgegeben? Mit 12 DIN-A5-Seiten Regelwerk, vier Spielattributen und ein paar rattigen Tricks ist das Spiel schnell erlernt und die erste Ratte bald geboren. Es stehen verschiedene Rotten zur Auswahl, denen eine Ratte entstammen kann, etwa die neugierigen Laborratten, die abgesottenen Müllschlinger, die fanatischen Brandratten oder die Taucher, wahre Wasserratten.
Der Reiz des Spiels besteht darin, die Welt aus der Sicht einer Ratte zu schildern, auch wenn diese ein wenig vermenschlicht sind. Gerade die Umschreibung anderer Tiere (”Glotzer” für Kröten, “Zischer” für Schlangen, “Langohr” für einen Hasen) oder der ‘Artefakte der Erbauer’ (etwa der “Kasten des Lebens”) macht viel Spaß.
Abgerundet wird das erste Buch noch durch ein kleines Abenteuer. Für 11€ kann man hier wahrlich nicht meckern.
Ich habe mir auch gleich die Erweiterung Ratten!! (mit zwei Ausrufezeichen) zugelegt, die mich dann vollständig von dem Spiel überzeugt hat. Im Gegensatz zu Erweiterung anderer Rollenspiele gibt es hier nicht einen Wulst zusätzlicher Regeln, nur ein paar wenige optionale Ergänzungen. Statt dessen konzentriert sich das Buch auf neue Rotten und neue Kreaturen wie die Vielaugen und Bluttrinker. Das letzte Drittel von Ratten!! stellt dann ein neues, alternatives Setting vor: Ratten im Weltraum! Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht anders konnte, als schon bei diesem Titel zuzuschlagen.
Die Rattenburg ist hier eine verlassene Raumstation, es gibt eine neue, spezielle Rotte, mögliche Mutationen für Ratten und als gefährlichste Gegner natürlich Affen. Der zweite Band kostet 12€.
Ich bin auf ein erstes Spiel mit meiner Runde gespannt. Ratten! erfüllt meine Ansprüche an ein Spiel für Zwischendurch (ähnlich wie Das Monster aus der Spätvorstellung), in das man sich schnell eingefunden hat und in einem ungewöhnlichen Setting viel Spaß haben kann.

Letztlich nicht gekauft, obwohl ich lange mit mir gehadert habe, habe ich zwei Rollenspielbücher, die mich alleine optisch sehr gereizt haben. Zum einen war da Private Eye, ein Detektiv-Rollenspiel im viktorianischen England, ganz im Stil von Sherlock Holmes. Private Eye ist mittlerweile in der 4. Auflage erschienen und hat seinen Reiz darin, dass es das Übernatürliche ausklammert und den Spielfiguren die Möglichkeiten zur Verfügung stehen, die auch Holmes hatte. Die Regeln sind dementsprechend sehr einfach gehalten, zum Lösen der Abenteuer, gespielte Krimis, braucht man vor allem sein Köpfchen. Das Grundregelwerk ist so vor allem mit Hintergründen zu den kriminalistischen Möglichkeiten des Jahres 1887 gefüllt und liefert auch noch die Beschreibung des damaligen Londons und seiner wichtigsten Figuren. Abgerundet wird der Band durch eine großformatige, wirklich sehr schöne Londonkarte, die alleine schon zum Kauf reizt.

Zum anderen gab es Opus Anima, wie Ratten! ebenfalls von Prometheus Games. Zu dem Spiel an sich kann ich recht wenig erzählen, doch alleine die Aufmachung des Grundregelwerkes, das in Essen neu erschienen ist, ist ein optischer Leckerbissen und die Zeichnungen sind wirklich phantastisch. Am ehesten kann man das Spiel, das sich dem “grotesken Horror” verschrieben hat, noch in die Kategorie Steampunk packen. Es spielt auf einer fremden Welt, die durch einen Krieg zersprengt wurde und deren Einzelteile nun von einer seltsamen Kraft zusammengehalten wird. Als Angehöriger eines von vier Völkern versucht man nun seine Seele wiederzuerlangen.

Beide Bücher kosten jeweils fast 40€ und lohnen sich schon zum Schmökern und Anschauen.

Meine 40€ habe ich dann aber doch in etwas anderes investiert: Die neue deutsche Auflage von Talisman, einem der legendärsten Brettspiele. Hier vermischen die Grenzen zwischen Rollenspiel und Brettspiel, wenn einige Helden aufbrechen, um die Krone der Herrschaft zu erlangen. Ganz wie man es aus dem Rollenspiel kennt, sammelt die Figur Erfahrungen, entwickelt sich, sammelt Schätze und gewinnt Mitreisende. Die neue Auflage gefällt mir leichten Regeländerungen, vor allem aber mit einer passenden Spielfigur zu jedem Helden - und: Krötenfiguren! Wer also nun eine gefürchtete Krötenkarte zieht und sich für die nächsten Spielrunden nur noch hüpfend über das Spielfeld bewegt, hat nun auch die passende Figur dafür.
Für mich war die Entscheidung klar, Talisman zu kaufen, das ich schon seit Jahren haben will, das es aber auch seit Jahren nicht mehr gibt. Die letzte deutsche Version erzielt bei ebay dreistellige Summen, was mir dann doch etwas zuviel des Guten ist. Auch hier hatte ich Glück, denn als ich mich endlich durchgerungen hatte, zuzuschlagen, gab es nicht mehr viele Exemplare.

Als letztes fand dann noch das kleine Spiel Chigago Gangsters Einzug in meine Sammlung, das bei Truant Spiele erschienen ist und sich somit auch im Sortiment des Ulisses-Standes befand. Dies ist ein schnell erlerntes, schnell gespieltes Kartenspiel, bei dem jeder Spieler eine Gangsterbande übernimmt und dadurch gewinnen muss, die anderen Banden auszuschalten - sei es, dass er einen Doppelauftrag erteilt, einen Bandenkrieg anzettelt oder eine Vendetta startet. Mit Hilfe von Polizeischutz, Bündnissen oder Familieneinfluss kann man versuchen, seine Gangster von der Abschussliste zu bekommen, während man denen der anderen Bande nachstellt.

Damit möchte ich meinen Rückblick an dieser Stelle schließen und mich bei allen Bedanken, die meine Anwesenheit am Stand nicht auf das bloße Verkaufen reduziert haben. Ich habe ein paar sehr interessante Gespräche mit DSA-Spielern führen können und hilfreiche Erkenntnisse gewonnen, wie sich Das Schwarze Auge weiterentwickeln könnte. Ich habe natürlich keine Entscheidungsgewalt, aber es gibt mir genug Stoff, um konstruktive Diskussionen in unseren Listen anzuregen.

Was man schon immer über Michael Masberg wissen wollte und nun zu fragen wagt

Im Forum von Ulisses Spiele, dem Verlag für das Fantasy-Rollenspiel Das Schwarze Auge, gibt es die schöne Tradition, Interviews mit den Machern des Spiels zu führen. Dabei werden die Fragen der Community gesammelt und an den den Interviewten weitergeleitet, der sie nach besten Wissen und Gewissen beantwortet. Jetzt ist es soweit und ich bin an der Reihe.

Ab jetzt und den ganzen August über könnt ihr im Ulisses-Forum Fragen abgeben, zu allem, was euch an meiner Person interessiert. Ach ja, natürlich hält sich der Interviewte vor, manche Fragen auch nicht zu beantworten, aber eigentlich bin ich ein offenherziges Kerlchen.

Hier ist der Link. Ich bin gespannt, was für Fragen mich September erwarten werden.

Körperschmuck in Hässlich

Als tätowierter Mensch bin ich natürlich gestochenem Körperschmuck gegenüber aufgeschlossen - seien es Tattoos oder Piercings. Als Ästhet habe ich natürlich auch meine Meinung über hässlichen Körperschmuck. Grausige Motive oder schlecht gestochene Tätowierungen sind ein sehr interessantes Thema. Meistens passen sie aber auch zu den Leuten, die sie sich haben stechen lassen. Schlechter Geschmack kann schon ein Gesamtkunstwerk ergeben.

Was mir in letzter Zeit ins Auge springt, sind schlechte Piercings - gerade eben erst ist mir etwas begegnet, was ich so nicht kannte, aber gleich ziemlich grausig fand. Aus gegebenen Anlass - und ohne Rangreihenfolge - sind hier die drei schlechtesten Piercings, die mir in jüngster Zeit begegnet sind. Es gibt sicher noch schlechtere oder fragwürdigere, aber es ist ein Segen, dass manche Dinge einfach unter der Kleidung verborgen bleiben …

  • Beim Sport sah ich eine junge Frau, die ein Piercing auf der Oberseite des Unterarmes hat, knapp über dem Handgelenk - also dort, wo man auch eine Uhr tragen könnte. Ästhetischer Sinn ist nicht ersichtlich.
  • Eine andere junge Frau hat sich je einen Stab durch die Haut über den Wangenkochen stechen lassen. Das wird Spuren hinterlassen. Es ist zu hoffen, dass sie sich die Stäbe nicht rausreißt wie meine Bekannte, der das mit ihrem Piercing zwischen den Brüsten passiert ist.
  • Kommen wir zu meiner heutigen Sichtung: Ringe durch die Unterlippe sind altbekannt, auch leicht versetzte. Auch eine Kette von dort zum Ohrring sind nichts neues. Aber die mehreren kurzen GlitzerKetten, die wie Lametta von dem Ring herunterhingen, waren kein Gewinn für das Mädchen …

Ich bin ja ein sehr toleranter Mensch, aber für manche Fehltritte sollten Strafen erhoben werden.