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- 24.2.2010: Viele Zuschauer suchen eine Inszenierung
- 16.2.2010: Atemübungen am Donnerstagabend
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- 6.2.2010: Tief Luft holen
- 5.2.2010: Atemübungen: Die Presse (vorher)
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- 3.2.2010: Atemübungen: Die Musik
- 2.2.2010: Atemübungen: Das Stück
Allgemeines
Das Schwarze Auge
Kunst und Kultur
Archiv der Kategorie Theatrales
Noch einmal richtig laut
24.2.2010 von admin.
Das Theater Oberhausen hat gerade doch wieder viel von mir. Sauerstoff hat zwar vor kurzem erst Premiere gemacht, jetzt darf ich jedoch auch bei Songs for Drella mitmischen. Doch dazu ein anderes Mal mehr. Gerade habe ich mich eingehend mit dem im Geiste recht verwandten Never too loud auseinandergesetzt. Nach einer kurzen Pause rocken wir am Sonntag, den 28. Februar wieder die Hinterbühne – und zum letzten Mal in der originalen Besetzung. Susanne hat einen sehr schönen und seit Wochen nicht mehr übersehbaren Grund, dem Stück den Rücken zu kehren. Das bedeutet natürlich auch Umbesetzungsproben, die morgen beginnen. Ich bin sehr gespannt auf Barbara Felsenstein, die Susannes Parts sowohl in Never too loud als auch in Woyzeck übernehmen will.
Direkt nächste Woche, am 4. März darf dann auch jeder Barbara begrüßen und mit ihr und uns zusammen rocken!
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Viele Zuschauer suchen eine Inszenierung
24.2.2010 von admin.
Eigentlich habe ich bisher wenig über andere Inszenierungen geschrieben, aber aus gegebenem Anlass widme ich mich jetzt einmal einer anderen Arbeit als nur der meinen. Grund dafür ist ein Theaterbesuch am Musischen Zentrum (MZ) der Ruhr-Universität Bochum am vergangenen Samstag. Dem MZ bin ich aus meiner kurzen Zeit an der Ruhr-Uni sehr verbunden, da ich auf der Studiobühne dort mit Ende der Welt und Frankenstein meine eigenen ersten Schritte als Regisseur gemacht habe. Aus dieser Zeit bestehen noch viele Kontakte und nicht wenige, die sich dort vor Jahren ausprobiert haben, sind mittlerweile sehr aktiv im Kulturbetrieb.
Es war also an der Zeit zu sehen, was die aktuelle Generation der Studiobühne so treibt, zumal mit Raymond Dudzinski ein alter und treuer Weggefährte mitspielte. Was wurde gegeben? Sechs Personen suchen einen Autor von Luigi Pirandello in der Regie von Matthias van den Höfel, eine Produktion der studentischen Theatergruppe Theater.undsoweiter. Jetzt bin ich schon wegen meinem eigenen Hintergrund dem studentischen Theater sehr zugeneigt und betrachte die Studiobühne im MZ als einen wunderbaren Ort, an dem man sich ausprobieren kann. An dem man Fehler machen darf und szenische Abende nicht perfekt sein müssen. Dennoch muss ich sagen: Diese Inszenierung ist das Schlechteste gewesen, was ich jemals auf einer Bühne sehen musste.
In den Metaebenen verlaufen
In dem eigentlichen Stück geht es um sechs Personen, die während einer Theaterprobe auftauchen und von einem Theaterdirektor (an diesem Abend von Rhea Niggemann als Theaterdirektorin gegeben) verlangen, dass er sie aufführt, da sie vor die Bühne geschaffen wurden und auf dieser leben wollen. Zögernd wird diesem Wunsch nachgegangen und nach und nach enthüllt sich die traumatische Geschichte der Personen, die eine Familie darstellen. Gleichzeitig scheitert aber die Darstellung der Realität der Bühnenfiguren an der Illusion des Theaters.
Es wird also viel auf das Theater selbst Bezug genommen, ein Thema, mit dem sich Pirandello in seinem Werk sehr intensiv und intelligent auseinandergesetzt hat. Leider mangelt es der studentischen Gruppe in der Inszenierung an der Intelligenz, dieses angemessen umzusetzen. Stattdessen entsteht ein willkürlicher Abend, der anscheinend nur dazu dient, einmal sämtliche Klischees, die man so über Theater hat, vor dem Publikum auszubreiten.
Man kann gutes Theater machen, auch wenn man den Theaterbetrieb an sich verabscheut. Bei manchen ist es gerade diese Hassliebe zum Theater, die sie zu großen Schaffenden macht. Wichtig ist eine intensive Auseinandersetzung. Am Samstag blieben aber nur ein paar laue Witzchen übrig.
Den sechs Personen wird eine ganze Theaterkompanie gegenübergestellt, die die Zuschauer zu Beginn einlädt, den Proben zu eben Pirandellos Stück beizuwohnen. Um dies zu unterstreichen gibt es immer wieder eingespielte Videos, die die Dokumentation des Probenprozesses abbilden soll – man sieht Konzeptionsproben mit dem eigentlich Regisseur Matthias van den Höfel, Partys im Probenraum, Mitspieler, die das Programmheft zusammenkleben und dergleichen mehr. In allem schwingt mit, wie blöde man eigentlich das Stück findet. Aber man macht es trotzdem. Nicht nur, dass diese Art der Selbstreflexion auf das Theater überholt ist (Was ist langweiliger, als ein Darsteller, der darstellt, dass er darstellt?), es bedarf zumindest eines schlüssigen Konzeptes, wie man so etwas angeht. Hierbei verläuft sich die Inszenierung aber in ihren diversen Ebenen.
Auf der Bühne gibt Rhea Niggemann die überforderte Theaterdirektorin (und ist dabei vor allem damit überfordert, deutlich ihre Sätze zu sprechen), während die anderen vergeblich versuchen, ‘privat’ zu spielen (was schon bei Profis so selten funktioniert), müde Witzchen improvisieren und alles abspulen, was man an gängigen Theaterklischees so kennt. Wobei ich mich immer wieder fragen musste, ob einer von ihnen wirklich mal eine richtige Theaterproduktion begleitet hat, vieles wirkte wie das Nachspielen von Anekdoten, die man über Dritte oder Vierte irgendwo aufgeschnappt hat.
Erst mit dem Auftreten der sechs Personen verspricht der Abend kurz, endlich spannend zu werden. Leider dauerte es bis dahin schon eine gefühlte halbe Stunde, in denen man als Zuschauer lahmer Improvisation und nichtsbringenden Videos ausgesetzt war. Kurz: Mich als Zuschauer hatten sie bereits verloren.
Zu meiner Freude waren die Darsteller der sechs Personen – allen voran Houssie Shirin und Raymond Dudzinski, die das wenige Positive dieses Abends auf ihren Schultern getragen haben und letztlich das einzig Sehenswerte waren – in der Lage, ihrem Spiel Präsenz zu verleihen. Und in einer Hinsicht bin ich altmodisch: Ich mag es, wenn Personen auf der Bühne deutlich sprechen. Diese Leistung haben sie wunderbar erbracht, während die anderen zum Teil nicht mal in der Lage waren, von einer Karte einen Satz gerade abzulesen.
Absoluter Mangel an Respekt
Auch in einem anderen Punkt mag ich altmodisch sein: Ob man es liebt oder hasst, der Bühne hat man einen gewissen Respekt entgegenzubringen. Auch und vor allem jenen, die auf der Bühne spielen. Und wenn nicht den Personen an sich, so doch zumindest ihrem Handwerk. Der Auftrag der Regie an denen nur mit mäßig komischen Talent ausgestatteten Darstellern der Theaterkompagnie rund um Frau Direktorin war aber nun, das Spiel der sechs Personen permanent zu stören und zu kommentieren. Im besten Fall ergibt sich daraus ein Spannungsfeld, das nicht uninteressant sein muss. In diesem Fall jedoch war es nur nervig, da außer unqualifizierten Seitenkommentaren, genuschelten Beleidigungen, Stricken und Brötchen kaufen gehen den Beteiligten nichts eingefallen ist. Also keine kristische, intelligente Auseinandersetzung mit dem Theater auf dem Theater (was in einer solchen Form möglich und löblich gewesen wäre), sondern nur albernes Hintergrundtheater, das nichts erzählte. Vielleicht auch nichts erzählen wollte.
Das Höchstmaß an Respektlosigkeit ereignete sich während der Premiere in der zweiten Hälfte des Stückes. Offensichtlich gab es Probleme mit dem Abspielen der überflüssigen Videos. Schade wäre es nicht darum gewesen, doch schien dem Regisseur sehr viel daran gelegen. So viel, dass er – gerade als das Spiel auf der Bühne tatsächlich so etwas wie Intensität entwickelte, da die Personen in den Vordergrund rückten und die Seitenkommentare nahezu ausblieben – selbst in den Saal trat und die Vorstellung unterbrach. Zuerst hielt es noch für einen mässig lustigen Regieeinfall, doch er meinte es tatsächlich ernst. Saallicht an, fünf Minuten Unterbrechung, bis das technische Problem wieder behoben war. Das darf nun einmal gar nicht sein und ist der höchste Ausdruck an Missachtung, die er seinen Schauspielern entgegenbringen konnte. Wohlgemerkt auch noch den einzigen, die den Abend durch ihr gutes Spiel halbwegs erträglich gemacht haben.
Das letzte Wort hatte natürlich das Video. Die finale Einspielung zeigte den Regisseur auf einem Stuhl im Proberaum mit einem Pappschild: »Bitte klatschen«.
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Atemübungen am Donnerstagabend
16.2.2010 von admin.
Wer noch nicht so recht weiß, was er mit deinem Donnerstag anfangen soll: Diese Woche (am 18. Februar) gibt es um 19.30 Uhr im Malersaal des Theater Oberhausen die nächste Vorstellung von Sauerstoff – quasi den Espresso im Theaterprogramm und genau das Richtige zum Zwischendurch genießen.
Karten können unter 0208.8578-184 oder aus der Homepage des Theaters reserviert werden.
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Ausatmen
13.2.2010 von admin.
In der Tat: Heute ist die Premiere von Sauerstoff eine Woche her. Dass ich in diesen sieben Tagen so ruhig in diesem Blog geblieben bin, lag mitnichten daran, dass wir keinen Erfolg mit dem Stück hatten. Im Gegenteil: Das Premierenpublikum war sehr berührt von unserem kleinen Theaterabend, der großen Zuspruch fand. Die Presse schrieb:
»Iwan Wyrypajew, so heißt es, wird in seiner Heimat Russland bereits als ‘Kultautor’ gehandelt. Am Theater Oberhausen bekommt das Publikum eine Ahnung davon, dass dieses verehrende Etikett gerechtfertigt sein dürfte. Eine zutiefst menschenfreundliche, lebensbejahende Philosophie also wird hier entworfen, die Wyrypajew herausfordernderweise an einer Geschichte von Mord und Totschlag festmacht. Glückliche Menschen, so scheint es, sind gefährlich – wenn sie das, was sie glücklich macht, bedroht sehen, wenn man ihnen den Sauerstoff abdreht.«
—Helen Sibum, NRZ, 08. Februar 2010»Regisseur Michael Masberg setzt die verrückte Suche junger Leute nach dem Sinn des Lebens rasant in Szene. Die Stichworte liefert – eine geniale Idee – anders als in der Originalfassung die dritte Person (Gabriela Ryffel), die, in Weiß gekleidet und geschminkt, an als Statuen verkleidete Studenten erinnert, die man im Sommer häufig in den Citys der Großstädte trifft. Wie kann jemand bestraft werden, wenn er sich nicht an seine Tat erinnert? Dieser Aspekt kommt sehr witzig rüber, denn er und sie mutieren zu Marionetten. Warum lohnt es sich, dieses Stück zu sehen, das uns, sollten wir auch nur einen logischen Gedanken entdecken, auffordert, lieber ins Ballett zu gehen? Antwort: Es macht Spaß, es zu sehen. Es ist rasant, füllt die kleine Bühne prächtig, dank gelungener Ausstattung (Stefanie Dellmann) und Dramaturgie (Tilman Raabke). Angela Falkenhan und Caspar Kaeser glaubt man die Jugend-Suchenden, Ungeduld, Hitzigkeit, Aufbegehren, Gabriela Ryffels Schrei geht durch Mark und Bein. Es ist ein ungewöhnliches Zuschauererlebnis, dass keine Zeit lässt, Luft zu holen und uns nach knapp einer Stunde wieder entlässt.«
—Gudrun Mattern, WAZ, 08. Februar 2010
Auf der Homepage des Theater Oberhausen ist nun auch eine Galerie online mit Szenenphotos. Die Photos wurden während der Hauptprobe von Axel J. Scherer aufgenommen.
Jetzt wieder zurück zu mir. Nach einer so kurzen, jedoch intensiven Probenzeit – fragt man mich, waren es subjektiv mehr als zweieinhalb Wochen, mindestens vier! – gönnte ich mir ein wenig Auszeit. Dies nahm dann auch eine Erkältung dankbar als Einladung an, sich in meinem Körper einzunisten. Wir haben den einen oder anderen Tag miteinander verbracht. Mittlerweile ist sie weitergezogen. Ich wünsche ihr alles Gute und hoffe, es geht ihr gut dort, wo sie nun ist. Dann kommt sie nämlich gar nicht auf den Gedanken, zurückzukehren.
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Tief Luft holen
6.2.2010 von admin.
Und einatmen …
Die Stunden fließen dahin, mitunter allerdings eher mit der Konsistenz von Sirup. Dann gleichen sie wieder Öl und bergen eine nicht unerhebliche Rutschgefahr. Aus den Boxen klingt ein wechselhafter Beat und ich kann mich nicht entscheiden, ob ich mich davon treiben lassen will oder die Musik mich pushen soll. Was habe ich denn alles schon getan, was es lohnen würde, zu wiederholen? Das sind ohnehin nur Vorwände, um das zu vergessen, was gleich nervös an meinem Rockzipfel zupfen wird. Natürlich macht es viel zu spät auf sich aufmerksam. Die Hektik gehört dazu, gerade wenn man eigentlich Zeit hat. Aber diese lässt sich so wunderbar vergeuden. Die Konzentration ist schon einmal vorgegangen und prüft die Räumlichkeiten. Hoffentlich langweilt sie sich nicht. Ich werde beizeiten nach ihr schauen, aber gerade ist mir das Wetter zu schlecht.
Und einatmen …
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Atemübungen: Die Presse (vorher)
5.2.2010 von admin.
Die Früchte unserer Pressekonferenz sind online. Die WAZ fragt sich, kann jemand aus Liebe töten? Und auch die NRZ berichtet von der “Sauerstoff”-Premiere im Theater Oberhausen.
Faith, you’re driving me away
You do it everyday
You don’t mean it but it hurts like hell
My brain says I’m receiving pain
A lack of oxygen from my life support
My iron lungWe’re too young to fall asleep
Too cynical to speak
We are losing it, can’t you tell?
We scratch our eternal itch
A twentieth century bitch
And we are grateful for our iron lung—Radiohead, »My Iron Lung«
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Atemübungen: Das Team
4.2.2010 von admin.
Nach einer sehr zufriedenstellenden Hauptprobe gestern Abend legen wir heute eine kleine Pause ein: Es wird gestreikt im öffentlichen Dienst und auch das Theater bleibt geschlossen. Aber ich bin ein Freund des Arbeitskampfes, auch wenn uns zwei Trainingseinheiten verloren gehen. Heißt nicht das alte Sprichwort: “Wer probt, ist feige”?
Wir werden die Zeit für ein Produktionsbrunch nutzen. Bevor ich mich nun daran mache, meine Wohnung auf Vordermann zu bringen, gehe ich noch einmal durch, wen ich gleich alles erwarte – und stelle die Beteiligten gleich einmal vor.
Angela Falkenhan lernte ihr Handwerk an der Hochschule für Musik und Theater in Zürich, ebenso wie Caspar Kaeser. Beide sind Preisträger des Oberhausener Theaterpreises – ich ebenfalls, man kann uns also durchaus als Preisträger-Produktion bezeichnen. Angela und Caspar werden in den Rollen Sie und Er zu sehen sein. Caspar und ich sind Wiederholungstäter, bereits in den Produktionen Messer in Hennen sowie Nothing is static, everything is falling apart haben wir erfolgreich zusammengearbeitet.
Zu den beiden gestellt sich Gabriela Ryffel. Über ihre Rolle, die im ursprünglichen Stück nicht existiert, möchte ich an dieser Stelle noch nicht zuviel verraten. Gabriela hat jüngst ihren Abschluss im Studiengang Musical an der Folkwang Hochschule in Essen gemacht und ist zur Zeit auch im Theater Hagen als Hexe in Into the woods sowie in Westside Story zu sehen. Bei den Proben zu Into the woods haben wir uns auch kennengelernt.
Der vierte auf der Bühne ist Alessandro Marra, ein junger Musiker aus Oberhausen, der mit dem Spiel seiner Gitarre für die richtige Atmosphäre sorgt. An dieser Stelle kann ich gar nicht genug Patricia, Katrin und der Brause danken, ohne denen der Kontakt zu Alessandro wahrscheinlich nie zustande gekommen wäre.
Den Raum hat wie stets Stefanie Dellmann gestaltet. Wie stets war es eine helle Freude, mit ihr zusammenzuarbeiten – und dieses Mal hat sie mit sehr wenigen Mitteln etwas wirklich Besonderes in den Raum gestellt. Vortrefflich eingekleidet wurden die Schauspieler dieses Mal von Anna Igniativa, die als Kostümbildnerin ihr Debüt am Theater Oberhausen gibt und dort seit dieser Spielzeit als Ausstattungsassistentin zuständig ist. Anna hat nicht nur einen treffenden Geschmack für die richtige Gewandung – da sie selbst Russin ist und auch das russische Original von Sauerstoff kennt, konnte sie uns wertvolle Hintergrundinformationen über den kulturellen Hintergrund aus der Entstehungszeit des Stückes geben.
Auch wenn er gleicht nicht beim Brunchen dabei ist, will ich unseren Dramaturgen Tilman Raabke nicht unerwähnt lassen, mit dem man stets angeregt über das Stück diskutieren konnte.
Der letzte im Bunde ist Pascal Nöldner, seines Zeichens Hospitant, Inspizient, Souffleur, Kaffeefee und treue Seele.
Weitere Danksagungen, umfassend und niemanden außer Acht lassend, gibt es nach der Premiere. Jetzt überlasse ich Baudelaire ein weiteres Mal das Wort:
Was macht nur Gott mit diesem Meer der Flüche,
Das Tag für Tag zu seinem Throne schwillt?
Wie ein Tyrann, von Fleisch und Wein gestillt,
Schläft er bei dem Geheul der Lästersprüche.Der Opfer Schrei’n auf grauser Marterstatt
Scheint er wie holden Symphonien zu lauschen,
Denn trotz der Ströme Bluts, die um ihn rauschen,
Wird seine Wollust nicht der Greuel satt.Denkst, Jesus, du an jenes Ölbergs Schatten,
Wo kindlich du dein Flehn ihm dargebracht,
Der hoch im Himmel deiner Qual gelacht,
Als sie den zarten Leib durchbohrt dir hatten?Befleckt, bespien deine Göttlichkeit,
Als dir das Gassenvolk mit frechem Hohne
Aufs Haupt gespießt die spitze Dornenkrone,
Aufs Haupt, das einer Menschenheit du geweiht;Da, als du hingst von schwerer Qual zerbrochen,
Am Kreuze hoch, die Arme ausgereckt,
Das bleiche Antlitz schweiß- und blutbedeckt
Durchbohrt wie eine Scheibe und zerstochen,Gedachtest du da milder Tage Schein,
Da du auf laubgeschmückten, sonnigen Wegen,
Auf sanftem Maultier zogst der Stadt entgegen,
Ein heiliges Gelübde zu erneu’n?Da aus dem Tempel du im Zornesglanze
Die Händler jagtest, niedrig’ Volk der Gier,
Und da du König wardst? – Hat nicht Reue dir
Das Herz durchbohrt noch vor der scharfen Lanze?– Wahrlich, ich meide gerne dies Geschlecht,
Dem Traum und Tat nie eins zu sein begehrte,
Kämpf’ ich, so fall’ ich auch mit meinem Schwerte!
Petrus verleugnete den Herrn mit Recht.—Baudelaire, »Die Verleugnung des heiligen Petrus«
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Atemübungen: Die Musik
3.2.2010 von admin.
Musik spielt bei Sauerstoff eine elementare Rolle. Musik selbst kann Sauerstoff sein, dich erfüllen und antreiben. Das Original von Wyrypajew regt deswegen auch an, einen DJ auf der Bühne zu haben. Dagegen hatten wir uns in der Konzeption schon sehr früh entschieden. Zu Beginn habe ich selbst viel Musik aus meiner Sammlung zusammengestellt. Doch wie es sich ergab, brauchen wir davon kaum etwas, denn anstelle eines DJs spielt nun ein Gitarrist auf unsere Bühne: Alessandro Marra unterstützt das Spiel live mit den Klängen seiner Gitarre. Natürlich mit einer Akustikgitarre, passend zu der reduzierten Form, die die Inszenierung ausmacht.
Dennoch – und auch, weil es phantastische Lieder sind – möchte ich bei dieser Atemübung den geneigten Leser wissen lassen, welche Songs ich mit Sauerstoff assoziiert habe. Jeder mag da seinen eigenen Soundtrack haben, dieses ist meiner. Und einzelne Songs davon werden am Samstag auch zu hören sein.
- Brand New, Bought A Bride (Daisy Session)
- Brand New, Coca Cola (Acoustic)
- Dirty Pretty Things, Gin And Milk
- Element Of Crime, Draußen Hinterm Fenster
- Jesse Lacey & Kevin Devine, Luca
- Massive Attack, Dissolved Girl
- Massive Attack, Sly
- Muse, Showbiz
- Nirvana, Polly
- Portishead, Hunter
- Radiohead, Idioteque
- Radiohead, My Iron Lung
- Radiohead, Exit Music (For A Film)
- The Smashing Pumpkins, Eye
- System Of A Down, Roulette
- 2raumwohnung, Wir erinnern uns nicht
An dieser Stelle passend auch ein ganz großes Dankeschön an Otto Beatus, Oberhausens musikalischen Leiter, für seine wichtige Unterstützung, sowie an Oliver Siegel, der selbstlos eingesprungen ist!
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Atemübungen: Das Stück
2.2.2010 von admin.
Heute steht die Pressekonferenz zu Sauerstoff an, deswegen gibt es aus diesem Anlass nun einen Auszug aus einem Entwurf für ein Programmheft (mit tendenzieller Verwendung auf dem Programmzettel):
In seinem zweiten dramatischen Text zeichnet der 1974 in Irkutsk geborene russische Regisseur, Schauspieler, Dramatiker und Drehbuchautor Iwan Wyrypajew das Bild einer Generation auf der Suche nach der seiner Identität. Geprägt durch die eigenen Erfahrungen in einer Gesellschaft im Umbruch, hinterfragt er die Verheißungen einer religiösen Lehre. Die Bergpredigt des Jesus von Nazaret liefert die Stichworte für die Suche zweier junger Menschen nach gültigen Werten und moralischem Halt. Letztlich suchen sie vor allem aber einander und sich selbst. Im Zentrum steht die simple Erkenntnis, dass jeder Mensch zum Überleben Sauerstoff braucht – und die Frage, was für einen selbst diesen Sauerstoff ausmacht.
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Atemübungen: Das Licht
1.2.2010 von admin.
Einmal noch schlafen, dann wandert unser Stück von der Probebühne in den Malersaal. Die Endproben stehen an! Also jener Moment, in dem man sich der Erfahrung stellen muss, was ein Raum für eine Inszenierung bedeutet. Und dass es eben etwas anderes ist, ob es der intime Raum einer Probebühne ist oder jener Ort, an dem in ein paar Tagen die Zuschauer das Spiel verfolgen werden. Gerade bei dieser Inszenierung bin ich sehr auf die Erfahrungen gespannt, die wir morgen bei unserer ersten Probe im Malersaal machen werden. Gespannt, aber zuversichtlich.
Endproben bedeuten auch, dass das Licht dazukommt. Beleuchtungsproben, für mich immer eine helle Freude! (Dieses Wortspiel drängte sich einfach auf und bettelte dermaßen, dass ich es nicht abweisen konnte.) Zum Thema Licht hat der von mir hochverehrte Herr McKean auch etwas zu sagen. Und dies ist unsere zweite Atemübung:

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»Iwan Wyrypajew, so heißt es, wird in seiner Heimat Russland bereits als ‘Kultautor’ gehandelt. Am Theater Oberhausen bekommt das Publikum eine Ahnung davon, dass dieses verehrende Etikett gerechtfertigt sein dürfte. Eine zutiefst menschenfreundliche, lebensbejahende Philosophie also wird hier entworfen, die Wyrypajew herausfordernderweise an einer Geschichte von Mord und Totschlag festmacht. Glückliche Menschen, so scheint es, sind gefährlich – wenn sie das, was sie glücklich macht, bedroht sehen, wenn man ihnen den Sauerstoff abdreht.«